Standpunkt Innovation

Was macht die Faszination Forschung bei Bosch aus? Wie komme ich in die Bosch-Forschung und -Entwicklung? Und überhaupt: Was machen die da? Wir befragten die Forschungsleiter von Corporate Research, Klaus Dieterich
und Gerhard Felten.

Herr Dieterich, Herr Felten, Forschung ist ein spannendes Thema. Was begeistert Sie daran?

Dieterich: Mit Forschung gestalten wir die Zukunft. Forschung ist die Basis für Innovationen, mit denen wir die Lebensqualität der Menschen steigern können. Das hat bei Bosch Tradition: Unter dem Motto "sicher, sauber, sparsam" haben wir im Straßenverkehr maßgeblich dazu beigetragen, Unfallzahlen und Emissionen zu reduzieren. So konnten die Schadstoffemissionen von Otto- und Dieselmotoren bezogen auf die 70er Jahre um über 90 Prozent gesenkt werden. Und Techniken wie ABS oder ESP haben zudem die Verkehrssicherheit signifikant erhöht.

Felten: Forschung begeistert auch durch die Herausforderung: Bosch steht für Spitzenqualität, Zuverlässigkeit und Langfristigkeit. Das spiegelt sich auch in unserem extrem hohen Qualitäts- und Technologieanspruch. Der fordert kreative Höchstleistungen von unseren Mitarbeitern. Und was die Arbeit bei uns richtig spannend macht: Wir erleben, wie aus unseren Ideen erfolgreiche und nützliche Produkte werden. Diese Kombination gibt es nur in der Industrieforschung.

Warum ist Forschung bei Bosch so wichtig?

Felten: Sie ist die Basis für zukünftiges Geschäft, insbesondere in den technologisch anspruchsvollen Feldern, in denen Bosch tätig ist. Das funktioniert nicht mit der klassischen Herangehensweise, mal ein Bauteil etwas dicker auszulegen. Wir müssen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten verstehen, Designmethoden neu entwickeln, mit Simulationen die Ideen absichern und das Ganze dann in der Fertigung für eine Großserie umsetzen.

In unseren Forschungsprojekten schauen wir über das derzeit Machbare hinaus – wenn die Aussichten stimmen, auch mit hohem Risiko. Manchmal führen unsere Forschungsergebnisse dazu, dass ein Technologieansatz noch mal grundsätzlich geändert wird, bevor wir damit auf den Markt gehen – das kostet natürlich Zeit und Geld, führt aber langfristig zu wettbewerbsfähigen Produkten.

Dieterich: Die Entwicklungsabteilungen in unseren Geschäftsbereichen arbeiten an aktuellen Produktlinien. Aufgabe der zentralen Forschung ist es, die Zukunft unseres Unternehmens durch die Erschließung neuer Technologien langfristig abzusichern. Zum Beispiel die Benzindirekteinspritzung: Das Thema hat uns in der Forschung viele Jahre beschäftigt. Erste Überlegungen starteten bereits Anfang der 80er Jahre. Mitte der 90er Jahre fand der Übergang in unseren Geschäftsbereich für Benzinsysteme statt und 2000 startete unsere erste Serienproduktion. Wenn man heute die Ankündigungen der Automobilhersteller aufmerksam verfolgt, dann sieht man, dass bei Ottomotoren zukünftig verstärkt auf die Benzindirekteinspritzung gesetzt wird. Die Vorteile bei Drehmoment und Verbrauch überzeugen zunehmend. Wenn wir also von einem „langen Atem“ reden, so heißt das, dass es 10, 15 Jahre oder sogar noch länger dauern kann, bis eine Innovation auf Basis neuer Technologien sich im Markt durchsetzt.

Rund sieben Prozent vom Bosch-Umsatz gehen in Forschung und Entwicklung. Aber diese Aufwendungen sind noch kein Garant für sprudelnde Ideen und Innovationen. Woher kommen die also?

Felten: Zunächst ein ganz wichtiger Punkt: Wir brauchen kreative Köpfe in der Forschung, wir brauchen die Besten. Was tun wir dafür? Wir schaffen ein Umfeld, in dem diese Mitarbeiter kreativ arbeiten können – mit Freiräumen, Fortbildung und einer hervorragenden Ausrüstung. Als Leiter der Forschung sorgen wir dafür, dass die nötigen Gelder zur Verfügung stehen. Aber Geld ist nicht alles: Forschung braucht auch Richtung, etwa durch ein ausgeklügeltes Innovationsmanagement.

Dieterich: Die Richtung gibt zum einen das wissenschaftliche Umfeld. Bosch unterhält sehr ausgeprägte Kontakte zu Hochschulen und Instituten, beispielsweise der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft. Es gibt hier rund 100 Forschungskooperationen.
Aber auch die Märkte sind für unsere Forschung wichtige Treiber. Daher sind wir ganz eng mit unseren Geschäftsbereichen verzahnt. Ich sehe einen großen Wert darin, dass Mitarbeiter das operative Geschäft kennen lernen. Durch diese Nähe zu den Märkten können wir unsere Ideen noch besser auf potenziellen Kundennutzen und entsprechende Produkte abgleichen, damit dann erfolgreiche Innovationen daraus werden.

Wie gewinnen Sie kreative Köpfe, und was tun Sie für den Nachwuchs?

Felten: Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir in Rankings bei Berufsanfängern in den naturwissenschaftlichen und Ingenieur-Disziplinen ganz oben stehen. Im letzten Jahr beispielsweise wurde Bosch unter Deutschlands Top-Arbeitgebern in der „Wirtschafts Woche“ von den Ingenieuren auf Rang 6 gewählt. Hinzu kommen die Forschungskooperationen mit Hochschulen und Instituten, auf denen unser Doktorandenprogramm aufsetzt. Jeder zweite Forschungsmitarbeiter betreut derzeit einen Doktoranden oder Studenten. Ich glaube, das kann sich sehen lassen. Ein Drittel bis die Hälfte unserer neuen Mitarbeiter rekrutiert sich genau aus dieser Quelle. Also: Bosch wird zunehmend als attraktiver Arbeitgeber für Ingenieure und Wissenschaftler wahrgenommen.

Dieterich: Wir haben ja auch thematisch einiges zu bieten. Nehmen wir die Mikrosystemtechnik. Die hat letztlich die Art und Weise, wie man heute Sensoren baut, revolutioniert. Bosch hat diese Technik ganz entscheidend mit voran getrieben...

…und ein Bild des Bosch-Drehratensensors fehlt in keiner Vorlesung oder Darstellung zu dieser Technik.

Dieterich: ... genau. Das ist eben hier in der Verbindung von Forschung und operativem Geschäftsbereich entstanden.
Bei Bosch entstehen Spitzentechnologien! Das heißt nicht nur: Hightech-Produkte mit hohem Kundennutzen, sondern auch deren hochpräzise Fertigung in Millionenstückzahl. Und da meine ich, solche Erfolge sind für den Nachwuchs die passende Herausforderung, bei uns einzusteigen.

Felten: ... und mit unserem students@Bosch-Programm lenken wir schon frühzeitig das Interesse von Praktikanten und Diplomanden auf Bosch. Wenn ich jetzt sage, dass wir 80 Prozent der Doktoranden übernehmen, dann heißt dies nicht immer Berufsstart in der Forschung, sondern oft auch in anderen Bosch-Bereichen. Ein so großes Unternehmen bietet viele Facetten, die es in den ersten Jahren der beruflichen Orientierung möglich machen, in verschiedene Positionen zu kommen, ohne das Unternehmen mehrmals wechseln zu müssen.

Dieterich: Schönes Stichwort. Ich beziehe es mal auf unsere internationale Ausrichtung. Wir haben eine Forschungseinrichtung in Palo Alto bei San Francisco, weitere Gruppen sind in Pittsburgh, Shanghai und Tokio. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten für unsere Mitarbeiter, innerhalb des Unternehmens internationale Netzwerke zu pflegen. Und das ist sicherlich auch attraktiv für junge Spitzenabsolventen, die einen herausfordernden Berufseinstieg suchen  - für Frauen wie Männer gleichermaßen.

Zum Abschluss ein paar Highlights aus Ihrem Werdegang. Sie haben beide nach der Universität einiges kennen gelernt: Forschung, Geschäftsbereich, Ausland und wieder zurück in die Forschung. Was hat Ihnen Spaß gemacht?

Felten: Mir macht gerade sehr viel Spaß, heute den Erfahrungsschatz aus über 15 Jahren operativer Tätigkeit im Geschäftsbereich zu heben. Ich denke, ich habe mir ein umfassendes Bild verschafft, wie erfolgreiche Forschung aussehen muss. Zuletzt habe ich als Entwicklungsleiter von Bosch Power Tools noch die Entwicklung der Akku-Technologien angeschoben. Arbeiten, auf denen der erfolgreiche Ixo, unser Akkuschrauber in Lithiumionen-Technologie, aufsetzt. Und heute kann ich die Kreativität der vielen Forscher fördern und ausrichten, damit wir Neues auf den Weg bringen. Etwas, das sich fürs Unternehmen rechnet und unserem Motto "Technik fürs Leben" entspricht.

Dieterich: Alle Aufgaben, die ich bisher bei Bosch wahrgenommen habe, haben mich herausgefordert und zugleich begeistert. Das gilt für meine Arbeit an der Ausbeuteoptimierung eines Drucksensors in der Reutlinger Fertigung gleich nach meinem Traineeprogramm ebenso wie für die erste Serieneinführung unseres elektronischen Bussystems Controller Area Network, kurz CAN genannt. Speziell als Projektleiter für die Serieneinführung des CAN-Busses, Anfang der 90er Jahre in die damalige S-Klasse von Mercedes, habe ich einen breiten Erfahrungsschatz erworben, was die Absicherung der Qualität für eine neue Technologie im Automobilgeschäft angeht. Ein Erfahrungsbaustein, der heute aktueller ist als je zuvor. Denn Qualität ist die Eintrittskarte in das Geschäft mit unseren Kunden. Dieser Anspruch gilt auch für die Forschung. So müssen gerade in den frühen Produktphasen funktionsbestimmende Teile identifiziert und bezüglich ihrer späteren Belastung im rauen, weltweiten Einsatz analysiert und daraufhin ausgelegt werden. Nur wenn wir das bei der stetig steigenden Komplexität unserer Produkte auch zukünftig sicherstellen können, bleiben wir international wettbewerbsfähig.